Mein Blog als Buch!

Ich bin mir nicht um die Aufmerksamkeit sicher, die dieser Blog noch auf sich zieht, bzw. wohl eher nicht mehr auf sich zieht. Das ist allerdings auch nicht weiter schlimm, denn Folgendes betrifft ohnehin nur einige Wenige.
Wie angekündigt habe ich alle Texte und Bilder, also wirklich den gesamten Blog, in einem Buch zusammen gefasst, das nun endlich fertig ist. Nach hunderten von Seiten, die ich Korrektur gelesen habe und förmlich alles angepasst habe, ist nun das erste Exemplar da, weitere könnten folgen. Das Buch wird, anders als der Probedruck, als DINA5 Softcover „erscheinen“, natürlich mit Farbbildern. Neben all dem was hier sowieso schon steht, wird es auch ein paar zusätzliche Texte geben, die ich bislang nicht veröffentlicht hatte.

Kostenpunkt für das Buch liegt leider bei 20€, was ziemlich genau den Produktionskosten entspricht. Ich werde das Buch in den nächsten Wochen einmalig und für alle Interessenten mit bestellen. Sollte also Interesse bestehen, einfach eine kurze Nachricht an mich senden! Mehr wollte ich auch gerade gar nicht sagen.
Allen eine schöne Weihnachtszeit!

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Alles und Nichts.

Ich weiss nicht, was das emotional mit Einem macht, wenn man über hundert Fotos aus seinem letzten Jahr brutal von der Wand reissen muss, weil das Zimmer für den nächsten Freiwilligen natürlich so aussehen soll, wie man es selbst vorgefunden hatte. Das war mein Leben, meine Momente, festgehalten in Bildern und jetzt muss ich das alles von der Wand reissen? Wofür steht das denn im übertragenen Sinn?

Als ich diesen Text schreiben wollte, war ich gerade eine Woche wieder da. Mittlerweile sitze ich seit vier Wochen in Osnabrück, ziehe am kommenden Sonntag bereits nach Hannover und habe dennoch nicht die Kraft aufbringen können, diesen Text zu schreiben. Ursprünglich habe ich einfach angefangen über Philly und das Abschlussseminar zu berichten. Dabei war das gar nicht der Punkt.

Das ist er also. Mein letzter Text. Deutlich zu spät, aber immerhin. Irgendwann musste ja nochmal ein bisschen Reflexion kommen und vor allem wie es mir geht, seitdem ich wieder da bin. Ich war immer davon ausgegangen, dass ich hier am ersten Abend auf meinem Bett sitze, nachdem die Jungs abgehauen sind, Grillen gelaufen ist und es mich trifft, wie ein Schlag ins Gesicht. „Das war’s also.“ Aus all der Aufregung und dem Abenteuer sind Erinnerungen geworden und ich bin nur noch ein 0815 Student, wie jeder Andere auch. Was ich erlebt und gelernt habe, kann sowieso keiner verstehen und dass ich das Jahr vielleicht sinnvoller genutzt habe, als manch Anderer, wird mir auch keiner zugestehen. Eher bin ich der abgehobene New Yorker, der sich plötzlich für was Besonderes hält. Ganz so kam es nicht. Bis heute warte ich auf den Schlag ins Gesicht. Mein bester Freund meinte gerade noch, dass ich mich in den ersten Tagen noch in meinem New York-Karussell gedreht hätte und er nur darauf gewartet hätte, dass ich voll auf die Fresse falle. Doch wir warten beide noch darauf. Ich drehe mich immer noch. Auf einmal ging alles so schnell. Abschied im Projekt, Seminar in Philly, Reflexion, Abschied mit Mark, Silke und Jonathan, Rückflug, Gruppenfoto, Kofferband, Gruppenfoto, Familie treffen, Grillen. Wie soll man dazwischen überhaupt irgendwas verarbeiten? Auf einmal spricht das Flugpersonal deutsch mit dir. „Was darf es zu trinken sein? Café oder Tee?“ – „Excuse me?“ Ich kannte das nicht mehr, dass Fremde Leute deutsch sprechen. Dann steht man in Frankfurt und Stück für Stück wird die Gruppe kleiner, bis du nur noch mit Bajram auf deinen eigenen Zug wartest.
Jetzt sitze ich hier also seit vier Wochen und kann nicht glauben, was passiert ist, dass es vorbei ist. Bei Facebook geistern schon lange die Fotos der neuen Freiwilligengruppe und ich frage mich: „Wo sind David und Jakob? Wo ist Rahel? Mit wem quatscht Mark da?“ Bis jetzt habe ich es nicht gepackt mich mit diesem Text auseinander zu setzten und hätte ich nicht gerade bei Julian über all das gesprochen und wäre der Alkohol nicht so großzügig geflossen, würde dieser Text auch jetzt wohl nie Zustande kommen.
Auf einmal stand ich in New York, habe meinen Mitarbeitern und Klienten einen persönlichen Brief geschrieben, habe Fotos ausgedruckt, Koffer gepackt und mein Bankkonto geschlossen. Ich weiss nicht, was das emotional mit Einem macht, wenn man über hundert Fotos aus seinem letzten Jahr brutal von der Wand reissen muss, weil das Zimmer für den nächsten Freiwilligen natürlich so aussehen soll, wie man es selbst vorgefunden hatte. Das war mein Leben, meine Momente, festgehalten in Bildern und jetzt muss ich das alles von der Wand reissen? Wofür steht das denn im übertragenen Sinn? Dann sitzt man in Philly in dem Hostel wo alles angefangen hat, wo man den ersten Sonnenaufgang beobachtet hat, sich das erste Mal Zuhause gemeldet hat und denkt daran, wie man sich damals im Dezember schon gefürchtet hat: „Wenn wir das nächste Mal hier sind, ist das Jahr schon vorbei.“ Jetzt war dieses nächste Mal. Wir haben Aufgaben gemacht und unser Jahr in verschiedenen Übungen an uns vorbei ziehen lassen, um hinterher darüber zu sprechen. Anschließend haben wir uns in einer Runde 15 Minuten angeschwiegen und wer was sagen wollte, konnte was sagen. Mit Stolz kann ich behaupten, dass niemand mehr geheult hat, als ich.
„Als ich euch das erste Mal gesehen habe, habe ich gedacht: „Was für eine Alternative Gruppe. Mit wem von denen kann ich wohl zum Football gehen?“
Übermorgenabend werde ich mit meinen Jungs beim Grillen sitzen und sie werden denken: „Was für ein alternativer Junge.”“
Obviously kann ich es sowieso nicht in Worte fassen, wie es war, als man dann zum Flughafen gefahren ist, nach dem letzten gemeinsamen Frühstück und wie sich langsam alles in Luft aufgelöst hat, nachdem man gelandet war. Das alles ist überhaupt nicht greifbar und auch in keinster Weise zu verstehen, wenn man die Erfahrung nicht selber gemacht hat. Das ist okay. Niemand muss sich da hinein versetzen können. Abends habe ich glaube ich bis zwei Uhr morgens alle Schubladen aufgeräumt und mein ganzes Zimmer auseinander und wieder zusammen gebaut. Unzählige Male hatte ich zuvor diesen Gedanken gehabt, alleine auf dem Bettrand zu sitzen, also habe ich den Moment einfach ganz weit weg geschoben. Ungefähr sechs Mal hatte ich geträumt, vorzeitig zurück zu sein und einen Teil des Jahres nie erlebt zu haben. Obwohl ich über die volle Distanz gegangen bin, war ich unglaublich leer, als ich zurück war. Alles wirkte so steril und mein Zimmer nur wie eine Hülle von etwas, dass mal Ich gewesen sein soll. Bis heute habe ich meine Uhr nicht umgestellt und ab und zu kommt mir der Gedanke, einfach zu David zu fliegen und zum Dinner vorbei zu kommen. Letzte Nacht habe ich geträumt, mit meinen Eltern im Bronx Zoo zu sein und anschließend in SoHo. Nein, ich bin noch nicht wieder hier angekommen. Ich treffe mich jeden Tag mit Freunden und überbrücke Zeit bis zum nächsten Lebensabschnitt, aber um all das zu verarbeiten, was mich im letzten Jahr begleitet hat, fehlt es mir an Zeit und Denkvermögen. Lieber fokussiere ich mich auf Hannover und wenn ich dann Abends auf’m Fahrrad Khalid höre mit all den Liedern und Lyrics, in die ich mich letztes Jahr um diese Zeit so gut hinein versetzen konnte, fange ich gerne einfach mal an zu heulen. Ganz geil war auch letzte Woche Berlin. Ich war mit Lara nur in Berlin, um David (Host) zu treffen und letztendlich hingen wir mit acht ASF-Freiwilligen an der Spree und sind durch Berlin gezogen – beste zwei Stunden seit Wiederankunft übrigens – und auf dem Rückweg bei Regen auf der Autobahn um ein Uhr morgens trafen so Zeilen wie „Wake me up in the spring, while i’m high of my American dream“ oder „Maybe the end is near, but I’ve been waiting all year“ doch ganz ordentlich. Ich habe alle gesehen, ich war im Zoo, war beim VFL, war Kuchen essen bei Oma, ich wäre jetzt wieder bereit für die USA. Ja, ich studiere Politikwissenschaften und nichts wäre mir gerade lieber, als einfach für ne NGO in Washington zu arbeiten, einfach nur in den USA zu sein und den Vibe zu fühlen. Aber sollte das in 15 Jahren tatsächlich der Fall sein, bin ich 35 Jahre alt. Wenn ich dann über den Vorplatz vom Kapitol laufe, werde ich immer noch David und mich mit Men Bun sehen, wie wir auf der Wiese Fussball spielen. Ich werde nie wieder zu Jakob und David nach Philly fahren oder zu Rahel und Lea nach Boston. Ich kann nach Philly oder Boston fahren, aber zu wem? Diese Menschen waren doch das, was die Stadt jeweils ausgemacht hat. Der ganze soziale Kreis vor Ort ist damit zusammen gebrochen und will ich die Leute sehen, muss ich nach Köln, München oder London. London ist gar nicht so verkehrt eigentlich. However, nichts ist mehr so, wie es in diesem Jahr war und es wird nie wieder so sein. Jetzt bin ich schon einen Monat wieder da und alles ist so unglaublich weit weg. In einem Jahr bin ich schon länger wieder hier und New York ist länger her, als es eigentlich angedauert hat. Meine größte Angst ist es, diesen Spirit, den ich in New York gespürt und mir angeeignet habe irgendwann auf meinem Weg zu verlieren. Ich bin jetzt 20 Jahre alt und frage mich, ob ich nicht hätte mehr erreichen können, wenn ich mich mit 16 auf wichtigere Dinge fokussiert hätte. Ich habe ein bisschen Angst davor, dass mir die Zeit davon läuft. Dass ich mein Studium beende, den nächst besten Job kriege, eine Familie gründe und dann im System hängen bleibe. Die Zeit um etwas zu verändern im Leben ist womöglich begrenzt und ich habe einige Jahre davon mit komplett anderen Dingen verbracht. Vielleicht würde ich das heute anders machen – rückblickend gesehen. Ich habe Angst eine Tages aufzuwachen und zu denken. „Achja, ASF damals, war eigentlich ne schöne Zeit.“ Ich will die Zeit als Grundlage nehmen, für alles was in den nächsten Jahren auf mich zu kommt und wofür ich mich engagiere. Das meine ich mit Spirit. Diesen Spirit will ich auf gar keinen Fall verlieren, doch sehe ich uns mit 30 vielleicht nicht mehr alle zusammen vorm Kapitol, in Philly oder wie zuletzt an der Spree. Dafür werden die Wege zu weit auseinander geht. Vielleicht auch nicht. Hoffentlich nicht.
Ich glaube es wird deutlich, wie viel mir diese Jahr bedeutet. Nicht nur all das, was ich in diesem Jahr gesehen habe, aber was es mit mir gemacht hat. Wir hatten so geile Stunden beim Abschlussseminar, wo wir als Gruppe bei der einen oder anderen Flasche zusammen saßen und über Sachen gesprochen haben, die in diesem Jahr passiert sind und wie wir alle daran gewachsen sind. Die Menschen, die Philly jetzt verlassen haben, waren so viel weiter und reifer, als die, die damals gekommen sind. Im Moment fühle ich mich wie 23. Ich unterhalte mich mit 23-Jährigen und würde sie jünger schätzen, als mich selbst. Was auch immer. So richtig glücklich bin ich hier noch nicht wieder. Ich finde einfach noch nicht die Balance zwischen Erinnerung anerkennen und neue Herausforderungen annehmen. Wie die Anderen das wohl machen. Das kommt ja auch dazu. Ich habe über dieses Jahr so viele tolle Leute kennen gelernt, mit denen ich unbedingt in Kontakt bleiben will, weil sie mich weiter bringen, inspirieren usw. – siehe Berlin letzte Woche. Darüber hinaus habe ich glaube ich Bekannte in jeder deutschen Großstadt. Ich muss nie wieder ein Hotel nehmen. Schlafe ich halt eine Nacht bei Jakob, eine bei Balthasar, eine bei Rahel und eine bei Carl, habe ich das ganze Land gesehen. Ich kann immer nach New York kommen, bei David wohnen oder in der Übergangszeit bei DOROT wohnen. Was dieses Jahr für Möglichkeiten geöffnet hat ist absolut unglaublich. Vielleicht auch deswegen steht man dem Ganzen nun ein wenig wehmütig gegenüber. Wer weiss, wie sich das in Zukunft entwickeln wird und ob man mit allen den Kontakt so halten kann, wie man sich das jetzt gerade vorstellt. Ich bin froh, dass ich es gemacht habe. Ich erinnere mich genau, wie schwer es am Anfang war, wie verloren ich mir vorkam, wie ich nach Hause wollte und an viele Texte, die ich geschrieben habe, die aber zu depressiv klangen, als dass ich sie hätte veröffentlichen können, ohne dass sich Leute Sorgen gemacht hätten. Es war nicht immer die beste Zeit, aber es war die wertvollste. Und so werde ich sie immer in Erinnerung behalten!

Umso dankbarer bin ich für alle, die in diesem letzten Jahr so sehr hinter mir standen. Ich habe immer gesagt, ich will am Bahnhof in Empfang genommen werden, von jedem der Lust hat und das war ein unglaublich schönes Erlebnis. So viele Leute sind in den letzten Wochen zu mir gekommen und haben mir gesagt, wie gerne sie meinen Blog gelesen haben, dass sie sich so über meine Entwicklung freuen oder einfach nur glücklich sind, mich wieder zu sehen. Gerade an den Tagen, wo ich lieber im Central Park wäre, als am Schölerberg, tut mir das einfach unglaublich gut. Ich freue mich über Jeden, der wirklich sehen kann, welche Wirkung dieses Jahr auf mich hatte. Danke! Ich weiss nicht, wie dieses Jahr gewesen wäre, wenn ich hier nicht immer hätte schreiben können, wie es mir geht und was gerade abgeht, wenn ich mein Gefühlschaos nicht hier mit allen hätte teilen können, wenn ich mich nicht auf die WhatsApp-Nachrichten und das Feedback hätte verlassen können, das mich letztlich immer wieder aufgebaut hat. Vorhin kam mir nochmal der Gedanke diesen Blog als Buch zu bestellen mit all seinen Höhen und Tiefen, damit ich auch in einem Jahr oder in fünfzehn Jahren noch dieses Buch aufschlagen kann und nach dem ersten Text den Spirit wieder spüren kann. Den Spirit, den ich sonst womöglich nie wieder greifen kann. Das hier ist das offizielle Ende, vier Wochen nach dem offiziellen Ende. Mit Sicherheit kommt hier weiterhin nochmal der eine oder andere Text mit Dingen, die mich beschäftigen, bestimmt auch mit Rückschlüssen zu meiner Zeit in New York, aber als Blog „a year abroad“ is dies hier das letzte Kapitel. Noch einmal möchte ich mich bedanken für fast 3000 Besucher und über 13.000 Aufrufe über das Jahr verteilt. Danke, dass ihr mich auf meiner Reise begleitet habt oder auch schon angekündigt habt, meine Reise weiter begleiten zu wollen. Es wird bloß eine andere Reise sein.
Ich hatte eine einmalige Zeit, mit einmaligen Menschen, einem einmaligen Projekt und einmaligen Erfahrungen. Ich werde – ob ich will oder nicht – immer wieder auf dieses Jahr zurückblicken und nie aufhören aus diesem Jahr zu lernen. Es gibt mir eine Grundlage, auf die ich den Rest meines Lebens bauen kann. Ich hätte das Jahr nicht besser nutzen können. Ich hätte nicht mehr lernen können. Es hätte nicht bereichernder sein können.

THE END

It’s all part of the experience!

Well, it’s over. I think everyone who comes back from an adventure thinks he or she has had the greatest of all times. With no doubt I can say, I haven’t. At least not in your definition of great. I came to New York with dreams about making friends, party around, play football and all these kinda things. None of those dreams came really true.  I leave without one single American friend in my own age. I haven’t been to a Broadway Musical. I never fall in love with Times Square or other stupid places that are supposed to be cool. And still I had the most worthwhile time of my life.

For me these gap years are not about learn snorkeling, watching whales, getting drunk a lot or anything like that. It’s really about growing up. Never before I thought so much about making in impact in my life, change something in a positive way. I came here and was damn self-confident and I still am, but in a much more positive way. I wasn’t fair and always took decisions where I kept the better end of it. Never before I have been so caring about the people around me. If you’re not part of the solution, you’re part of the problem. I want to come up with the solution. I always tried to be someone else but this year I did not just learn to be myself, I learned to be the best version of myself. I’d like to speak to myself 18 months ago and tell him what kinda person will come back from New York. Yes, I’m goddamn proud.
But that’s not all on me, I gotta give credit to so many people.
First of all I am unbelievably grateful for DOROT, who took me in and gave me the opportunity to work with people who are already making a huge impact in the life of isolated seniors, holocaust survivors and the homeless. I can’t think of a place, where I could have learned more about life and it’s challenges.
DOROT would have never known me without ARSP (Action Reconciliation Service for Peace) who set up the whole journey and supported us throughout the whole year with people we can trust and who loved to work with us. I wouldn’t have gone anywhere without them.
The one real friend I’m taking away from New York is David Paul, my mentor who was supposed to just take me to a synagogue service and a dinner during this year, but we connected so well that we’ll not only stay in touch, but see each other whenever he comes to Europe or when I am back in New York to play Tennis down at the Hudson River, like we did almost every week this summer. He really made an impact one me when telling me to be open-minded and not to judge anything before attending it myself. He’s a great person and I am really going to miss my jewish uncle and his cooking skills.
Last but most importantly I want to thank all the other ARSP volunteers. You’ve been the most inspiring crowd I’ve ever seen. You discussed things in a way I never thought about it and from the first day of preparation in Hirschluch until the last day in Philadelphia, I always thought you have something special, that I wanna have when I come back. You’re part of what I am today and I’m grateful for everyone of you, who made me thinking during this year. I don’t need to wish you any luck for the future, you’ll have success in whatever you’re doing, because you’re better in it than anyone else. Big future for all of you. 

I just want to say it’s really not about taking great pictures. That’s just a side effect. It’s about coming back better than you left. Learning the things school was never able to teach you. Becoming the kinda person you want to be. Growing up.
If you’re not trying to be the best version of yourself, than what good are you?
It’s all part of the experience!

תודה על הכל.

Das wars dann also. Aus Euphorie wurde Reflexion, aus Ungewissheit wurde Alltag und aus New York wird wieder Osnabrück. Ein Jahr lang hatte ich das Privileg in dieser Stadt zu leben und in diesem Projekt zu arbeiten. DOROT ist hebräisch für „Generationen“ und unsere Mission ist es, Generationen zusammen zu bringen, sodass alle voneinander profitieren können und niemand isoliert ist. Ein wenig spezifischer im Homelessness Prevention Program. Einem „transitional Housing“ Program, in dem Obdachlose vorübergehend ein Apartment bekommen, bis wir einen langfristigen Platz zum Leben für sie gefunden haben.

Ich erinnere mich noch genau, wie ich bei meiner Oma saß, Kartoffelbrei gegessen habe und mein Handy aufgeleuchtet hat. „Sie haben eine Projektzusage.“ Völlig irritiert habe ich die E-Mail geöffnet. „Projektland: USA – Projektpartner: DOROT, New York.“ Ich habe komplett die Fassung verloren, Minuten lange vor Freude geweint und erstmal meine Eltern angerufen, während Oma mir gesagt hat, dass das Essen doch kalt werde. Von 400 Leuten, die sich beworben haben, schicken sie ausgerechnet mich nach New York und ich weiss bis heute nicht warum. Auf dem Weg nach Hause ist mir eine Schulfreundin über den Weg gelaufen und wir konnten es beide nicht glauben, was ich ab September mache. Wir waren alle mitten im Abi und die wenigsten wussten, was sie danach machen würden. Zudem hatte ich nicht wirklich einen Plan B, habe aber dennoch nicht mit der Zusage gerechnet. In der Folge bin ich ein halbes Jahr lang von allen Bekannten und Verwandten immer wieder gefragt worden, was ich denn ab Herbst machen würde und ich habe unzählige Male gesagt: „Ich mache ein FSJ. In New York.“ Ich habe es nie geschafft, das ohne ein breites Grinsen im Gesicht zu haben. Wegen der Vorfreude, aber auch aus Stolz, dass ich diesen Platz bekommen habe. Wann immer ich das gesagt habe, lag die Betonung immer auf New York. Klar, wie viele Menschen kennt man schon, die ein FSJ in New York machen und es klingt erstmal mehr nach Aufregung und Urlaub, als nach harter Arbeit und Engagement. Mittlerweile würde ich mir wünschen, die Menschen würden verstehen, dass das FSJ selber viel entscheidender ist, als die Stadt. Nichts desto trotz verging fast kein Tag, an dem ich niemandem mit viel Überzeugung unter die Nase reiben konnte, welche Chance mir gerade gegeben wird.
Es folgten die ersten Gespräche, Visa-Verfahren, E-Mails, Gedenkstättenfahrt und plötzlich stand man am Bahnhof. Unzählige Male zuvor hatte ich mir die Abreise in Kopf ausgemalt. Trotzdem war es unfassbar schwer wirklich zu gehen und Abschied zu nehmen. Dann kommt man nach Hirschluch, trifft auf ein paar bekannte Gesichter alles ist total unwirklich. Spätestens mit der Ankunft in Philadelphia am Flughafen und das erste Mal Aufwachen im Hostel ist man plötzlich in einer ganz anderen Welt. Klar kann man hier Urlaub machen und kommt vom JFK nach Manhattan, aber wir kamen nie als Touristen. Für uns war klar, dass dieses Land für dieses Jahr unser Zuhause werden würde und dem entsprechend wichtig war der erste Eindruck. Am ersten morgen bin ich um 6 Uhr morgens aufgewacht und habe die Sonne draussen hinterm Hostel aufgehen sehen. Das war ein unglaubliches Gefühl. Alles war so anders, von der Geräuschkulisse der Tiere bis zur Zeitumstellung. All das ist solange her und wird mich wohl trotzdem nie los lassen. Ich kam am Bus Terminal an und sah meinen Chef, den ich gestern das letzte Mal gesehen habe, zum ersten Mal. Wir sind mit dem Taxi zu mir gefahren und sind am Central Park vorbei. Alles war groß und unübersichtlich – heute kenne ich jeden Schleichweg im Park und darum herum. Ähnlich oft, wie meinen Abschied, habe ich mir die Räumlichkeiten in meinem Projekt ausgemalt und letztendlich waren sie doch ganz anders. Das erste Mal kam ich direkt den Freitag Abend rein und Jeff saß dort beim Dinner. Vor wenigen Tagen habe ich erfahren, dass Jeff damals Krebs hatte und stark untergewichtig war. Zu dem Zeitpunkt hat niemand gedacht, dass er es packen würde. Bei meinem letzten Abendessen Donnerstag saß Jeff dort und war völlig gesund. Für ihn war dieses Jahr auch von extremer Bedeutung. All das geht mir durch den Kopf, wenn ich den Community Room oder mein Büro jetzt ein letztes Mal abschliesse. Wie anders alles war, als ich es gedacht hatte und wie lange es her ist, dass ich es mir überhaupt vorgestellt habe.
Wie zu erwarten war, ist das Jahr wie im Flug vergangen. Ich hatte Höhen und Tiefen und in New York leben ist nicht nur ein Abenteuer, es ist auch eine Herausforderung. Nicht mehr oder minder als das Projekt. Es war nie das beste Jahr, aber es wird immer das Lehrreichste bleiben und wie ich es in meiner Rede gesagt habe, bedauere ich alle, die diese Chance nicht ergriffen haben oder ergreifen konnten, weil sie nicht wissen, was sie verpasst haben.
Zwischendurch habe ich immer wieder überlegt, wie ich ein besserer, bereichernder Mensch werden könnte und ich denke immer noch darüber nach. Nicht mehr so öffentlich, aber es beschäftigt mich definitiv. Ich habe aber auch gelernt, mich zu akzeptieren, wie ich bin und nicht zu versuchen, jemand anderes zu sein. Warum sollte ich auch jemand anderes sein wollen? Ich bin sehr zufrieden mit mir und vieles, was mich an mir gestört hat, konnte ich hier ablegen. Von vielen Eigenschaften wusste ich vorher nicht einmal, das sie mich eigentlich stören. Diese Jahr hat mich so unendlich viel weiter gebracht, als jedes andere Jahr mich hätte bringen können und nicht nur, dass ich da stolz drauf bin, es erfüllt mich auch mit Glück und Freude.
Es war unfassbar schwer wegzugehen. Wir waren alle auf dem gleichen Stand und wussten alle noch nicht so richtig wohin mit uns. Wir hatten einen tollen Sommer nach dem Abi ohne Verantwortung und ohne Pflichten und es war ’ne geile Zeit. Ähnlich war es dann mit den Freiwilligen von ASF. Auch die Menschen in dieser Gruppe waren alle auf dem selben Stand, was das Ankommen ein wenig leichter gemacht hat. Anders wird es mit dem Wiederkommen. New York und das Jahr hinter sich zu lassen, ist nicht wirklich leichter, als Osnabrück vor einem Jahr. Damals wusste ich immerhin genau, egal wie es wird, ich bin in einem Jahr wieder da. Wann ich zurück nach New York kommen kann, weiss ich nicht und selbst wenn, wird es nie wieder so sein, wie dieses Jahr. Ich werde nicht hier hin kommen können und eine Wohnung sowie eine Arbeit haben. Ich komme höchstens als Besucher wieder. Ausserdem war dieses Jahr unglaublich bereichernd und wird immer einen Teil meines Lebens ausmachen. Das ist nicht leicht einfach hinter sich zu lassen.
Letztlich ist es jedoch nicht das Weggehen, sondern das Wiederkommen, das mich beschäftigt. Wenn ich zurück komme, dann hat jeder sein eigenes Leben, sei es als Student oder als Auszubildender. Es gibt nicht wirklich eine gemeinsame Basis und was ich hier erlebt habe, wird niemand verstehen können, der nicht etwas Ähnliches gemacht hat. Ich bin mit einem Fuss in New York und mit dem anderen schon fast in Hannover, wo ich ab Oktober studieren werde. Von allen Rückkehrern habe ich bislang nur Negatives gehört. Wie langweilig und uninspirierend das Leben back home doch ist. Natürlich freue ich mich auf die neuen Aufgaben und was mich erwarten wird, aber ich will nicht das in mir verlieren, was ich hier das letzte Jahr erarbeitet und gelernt habe und ich glaube, das es für viele überhaupt keine Rolle spielen wird, wenn ich zurück bin. Das Leben hier, sei es Atlanta, San Francisco oder New York ist einfach faszinierend und hat nicht nur mich letztendlich mit sich gezogen. Warum das so ist, werde ich noch versuchen zu analysieren. Natürlich sieht das Grass auf der anderen Seite immer grüner aus, aber wenn man mich fragt, ist das Gras hier auch grüner. Es wird mir schwer fallen, das alles abzulegen und mich auf deutsches Kulturgut einzulassen, wenn mir das hier doch lieber ist. Ich sehe Empörung und Entsetzen bei vielen Lesern.
Als ich vor einem Jahr einen unseren Seminarbegleiter gefragt habe:
„Sag mal, wenn Amerika so heftig Einen an der Klatsche hat, warum kommst du dann immer wieder hier hin?“
„Gute Frage. Mach erstmal dein Jahr und wenn wir uns auf dem Abschiedsseminar sehen, weisst du es ja vielleicht selber.“
Jetzt weiss ich es.
Ich kann hier viel mehr ich selber sein, muss mich nicht irgendwelchen gesellschaftlichen Zwängen unterordnen und meine Lebensqualität ist hier deutlich gestiegen.

All das gilt es jetzt hinter mir zu lassen und meine neuen Herausforderungen anzunehmen. Es wird kein leichter Wechsel werden, aber ich wusste, was auf mich zu kommt. Zumindest theoretisch. Das Jahr hier geht in wenigen Tagen zu Ende und damit beginnt ein neuer Abschnitt, der womöglich auch Vorteile mit sich bringt. Es ist traurig, es ist emotional, aber die Meisten werden zurecht ganz kühl sagen: „Na gut, das gehört halt dazu.“ und damit haben sie wahrscheinlich recht. Es ist unbeschreiblich dieses Jahr an einem vorbei ziehen zu sehen, mit allem, was es mit sich gebracht hat, es wird mich jedoch den Rest meines Lebens begleiten. Ich würde alles wieder genauso machen, wie ich es getan habe und bereue nicht eine Entscheidung der letzten 12 Monate.
Es wird mit Sicherheit nicht der letzte Eintrag hier bleiben, aber ich möchte mich jetzt schonmal für die Unterstützung und das Interesse aller Bedanken, die mich dieses Jahr begleitet und unterstützt haben.
So unglaublich sich das anhört, aber wir sehen uns nächste Woche.

 

Dorot Goodbye Speech!

Well, I’m afraid I’m gonna start crying at some point, so I wanna keep this short to avoid that point coming up at all.

A few days ago i spoke to someone who i consider as my uncle and he showed me a picture we took together last September. That’s almost a year ago. He said:
“Look at that little boy. You really grew up during this year. Yeah, you came as a boy, but you will leave as a men. Say that whenever you speak about you leaving and always give me credit for pointing that out so well!”
He’s right. I came her and was so nervous about speaking english, learning how to work at DOROT and being responsible for so many new things.
It feels like it was yesterday, when i came to this room the first time and it was just Jeff having Dinner here on a Friday night. But so much time past since then. I answered probably over 200 phone calls, cooked hundreds of Dinners and crossed hundreds of Streets getting new clothes on this table.
For many of you i may be just another German and you will move on as soon as the “new German” is here, but for me this year will always be the greatest experience of my life. I just finished school and didn’t know what i should study and now i will go back, move in another city and start going to college. You led me to a way, when i didn’t know where to go next.
I will always remember about you, that Jeff doesn’t eat salad, Nick wants more onions, Carmen won’t eat at all and you always have to give Lucinda two scoops of ice cream, because she’s gonna ask for more anyway.
I feel like you guys have always been so grateful and appreciative for what i am doing, but at the end of the day you have given me so much more, than i could ever give back to you. Thanks to you, I learned so much about life, about myself, and this time will always make an impact on me. An impact i would wish everyone in my age could have had, because they don’t know what they missed by passing on this experience.
Thank you. Thank you for every day during the past year, when you made this experience so special. I’m gonna miss you all!
Furthermore I wanna thank the staff of the HPP.
I remember Gretchen sitting in my little room taking care of me, when I missed my family and just wanted to go home. At some point I was just about to quit, but she took care of me, like I am family.
Erin, who just left a few weeks ago, took me with her when she barley knew me and had me on her family’s Thanksgiving party. She even made me a part of it.
I will miss stepping out of the elevator wishing Rochelle a good morning, making breakfast for Stephen or helping Amelia move people in or out. That has been my life for the past couple of months and it will feel so strange, when all these things become so far away in a few weeks.
I wanna Thank you, Elazar, for picking me up in a cab from Port Authority to giving me this lovely speech a few moments ago. So much happened between all that. You came down to my office so often to sneak some cheese out of the refrigerator and eventually give me things to do. Sometimes you just came to check on me or have a good talk. Whenever I had something on my mind, you ordered me in your office and took care of it. Besides everything we joked about or discussed seriously, we had a relationship that I am really going to miss. After all you might have been my boss for a year, but you will always be remembered as my friend. –

Just as anyone else will be remembered as my friend!

Trust the progress

Das ist also mein letztes richtiges Wochenende. Letzte Woche noch in Boston gewesen und jetzt geht es noch fünf Mal morgens zur Arbeit und dann war’s das. Donnerstag war bereits meine Abschiedsparty.

Es fühlt sich verdammt unreal an. Natürlich weiss man die ganze Zeit das Datum, an dem man Nachhause kommt, aber wenn’s dann soweit ist, erschlägt es einen doch ganz schön. Ich kann gar nicht glauben, dass ich nächsten Montag mit dem Bus nach Philly fahren werde, aber nicht zu David und Jakob, sondern in das Hostel wo im September alles begonnen hatte. Allmählich fange ich an, Teile davon zu realisieren. Wenn ich zum Beispiel meine Subwaykarte auflade, brauche ich jetzt nicht mehr 40$ drauf packen, so viel fahre ich ja gar nicht mehr. Es macht keinen Sinn mehr, irgendetwas online zu bestellen oder Sonstiges zu beantragen und meine Adresse anzugeben. Ich werde nur noch eine Woche unter dieser Adresse erreichbar sein. Ich brauche nicht noch mehrfach Wäsche waschen. Warte einfach noch fünf Tage und mach dann eine letzte Maschine. Überleg dir Geschenke für deine Mitarbeiter und allen, von denen du dich hier bald verabschieden musst. Nimm die Fotos, die du alle an die Wand geklebt hast ab und hinterlass das Zimmer, wie du es vorgefunden hast.
Es ist so unreal, all diese Gedanken jeden Tag ein wenig intensiver zu bekommen. Gerade an alles gewöhnt und ein Leben hier aufgebaut und jetzt muss ich von diesem Leben wieder Abschied nehmen. Das ganze Jahr war einfach ein riesiges Abenteuer und die Erfahrung meines Lebens. So viel habe ich vorher darüber gesprochen und nachgedacht und jetzt ist fast alles vorbei und es wird nur eine Erinnerung bleiben. Das ist schwer zu begreifen.
Auf der anderen Seite kann ich mir schon eine Wohnung in Hannover suchen und bin da ganz viel am recherchieren, weil nur vier Wochen, nachdem ich wiederkomme, ist bereits Studiumsbeginn – für mich an der Leibniz Universität in Hannover für Politikwissenschaften. Obwohl ich Amerika nur ungerne verlasse, freue ich mich doch auf ein paar Dinge Zuhause. Am Meisten freue ich mich, die Menschen wieder zu sehen, die mir sehr am Herzen liegen. Ich freue mich ein wenig auf deutsches Essen und ein paar Dinge, die hier vielleicht nicht möglich waren. Also Auto fahren, ein bisschen mehr eigenen Raum haben oder mal zum VfL gehen. Kleinigkeiten halt, von denen man gar nicht vermuten würde, dass ich sie groß vermisst hätte.
Donnerstag habe ich meine Abschiedsrede gehalten, viel geweint und mit dem ganzen Jahr bei DOROT ein wenig abschließen können.

Auch wenn es mir sehr schwer fällt, geht es wohl tatsächlich in ein paar Tagen zurück nach Deutschland und ich habe bestimmt noch viel mehr zu sagen, wenn es soweit ist. Jetzt gerade jedoch weiss ich überhaupt nicht wo mir der Kopf steht und versinke in Dingen, die ich noch machen muss oder will. Von daher: Wir sehen uns in nichtmal zwei Wochen!
Ich würde mich freuen, wenn der Eine oder Andere Lust hat mich am Bahnhof in Empfang zu nehmen am Freitag 31.08. Für die Uhrzeit und genauere Informationen einfach mal bei meinen Eltern, Konsti oder Julian anfragen, die können das privat ein wenig genauer benennen. Bis die Tage!

Konsti und Jakob!

Kommst aus Chicago wieder, willst nur deine Ruhe haben und dann wartet Konsti hier auf dich. Sowas aber auch. Ursprünglich hatte ich mich ein bisschen schlecht gefühlt, über die ersten Tage in denen Konsti hier sein würde, nach Chicago abzuhauen, aber im Nachhinein war eigentlich alles mega gut, so wie es war.

Mittwochmorgen hatte mir spontan eine Klientin abgesagt, also habe ich mich mit Konsti getroffen und aus den zwei Stunden Zeit, die ich hatte, wurde der ganze Tag und plötzlich waren wir Basketball spielen im Central Park. Es war, wie immer und alles was wir zusammen machen. Es war, als wäre niemand von uns je weg gewesen. Da Konsti ja selber ein Jahr in Uganda war, wusste er auch genau, was man nach 11 Monaten im Ausland am dringendsten braucht: Sein Rucksack war voll mit Aufbackbrötchen, Eistee, Toffifee und seiner Playstation. Ich kann mir nichts vorstellen, was mich glücklicher gemacht hätte, als die Aufbackbrötchen. Und auch die Playstation ins Handgepäck zu stopfen, war eine klasse Idee. Also haben wir erstmal die nächsten Abende FIFA gespielt, zumal das Wetter auch nicht viel mehr zu ließ. Samstag war krass. Samstagmorgen sind wir zusammen zu meiner Fussballgruppe gegangen und haben uns ausgepowert. Später waren wir im Bryant Park an den public Platten Tischtennis spielen, gegen Nachmittag waren wir Football spielen und um Mitternacht waren wir mit David (Host) und Lara Tennis spielen am Hudson River. Gute fünf Stunden Sport. Wenn wir keinen Sport gemacht haben, waren wir entweder essen oder neue Sportsachen holen. Mit Konsti unterwegs zu sein, ist ein bisschen, wie mit David (Philadelphia) unterwegs zu sein: Nach  spätestens zwei Stunden fällt uns irgendein Sport ein, den wir machen könnten und dann machen wir den auch. Sonntag waren wir dann so tot, dass wir uns eigentlich den ganzen Tag nach Coney Island legen wollten, aber auch da haben wir Football gespielt. Und gegen Mitternacht sind wir wieder Tennis spielen gegangen. Dienstag und Mittwoch auch. Ich war das ganze Jahr vorher vier Mal Tennis spielen. Mit Konsti in einer Woche auch. Dürfte mich eigentlich aber nicht überraschen. Was haben wir sonst noch so gemacht? Gar nicht so viel. Wir waren shoppen, waren am Times Square zusammen *kotz* und sind über die Brooklyn Bridge gelaufen. Eigentlich wollten wir auch noch durch Brooklyn, aber dann hätte Tennis nicht geklappt, also Prioritäten setzen. Es waren einfach sehr geile zwei Wochen. Sehr wenig Schlaf, aber sehr viel Spaß und Sport, neben einigen deepen Konversationen.
Konsti war der Erste und Einzige, von dem ich mich nicht wirklich verabschieden brauchte, weil wir uns schon in vier Wochen wiedersehen. Das alles ist ziemlich surreal im Moment. Ich warte auf Zusagen fürs Studium, bin hier am arbeiten und mit einem Bein auch schon wieder auf dem Rückflug und überlege, in welchem Verein ich als nächstes Fussball spiele. Ganz komisch alles. Aber auch ein gutes Gefühl zu wissen, dass zu Hause Menschen wie Konsti auf mich warten, auf die ich mich sehr freue!

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Als Konsti Samstag abgehauen ist, war Jakob schon da. Einmal wollte er noch nach New York kommen, bevor es für uns alle in ein paar Wochen ja schon zurück nach Philadelphia geht. Samstagabend sind wir also mit Lara irgendwo feiern gegangen und Sonntag den ganzen Tag durch Williamsburg gelaufen. Wir waren im Domino Park in Brooklyn, sind über die Williamsburg-Brücke zurück gelaufen, haben viel Quatsch gemacht und hatten eine gute Zeit! Ich bin sehr froh, dass er nochmal da war und freue mich auf unsere letzten Tage zusammen in Philly.

Chicago

Ach Chicago war großartig. Freitagnachmittag mit Lara am La Guardia Airport getroffen und trotz einer Stunde Verspätung sehr zufrieden am O’Hare International in Chicago gelandet. Vor dort ging es dann erstmal zu Sarah, wo wir die Nacht verbringen konnten. Samstagmorgen sind wir mit Balthasar gemütlich frühstücken gegangen und er hat uns seine 19-Menscehn Wohngemeinschaft gezeigt. Riesige Wg. Sehr cool. Anschließend wollten Lara und ich natürlich ein bisschen was von der Stadt sehen und sind erstmal Richtung Downtown gefahren. Wir kamen direkt am Millennium Park raus und sind erstmal ziemlich ziellos durch den Park gelaufen, aus dem man immer wieder schöne Blicke auf den Michigan Lake oder die Skyline hat. Als wir uns ein bisschen zurecht gefunden hatten, sind wir weiter zum Navy Pier gegangen, im Grunde genommen einer großen Fressmeile mit Riesenrad. Alleine der weg dahin am Wasser entlang war wirklich schön.

 

Zum Abend hin habe wir uns mit allen Chicago-Freiwilligen getroffen und sind zum Abschluss des Tages ins Kino gegangen, in einen Film über den französischen Künstler Paul Gauguin. Immer offen für neues. Sonntagmorgen haben wir erstmal sehr lange geschlafen und waren anschließend Fotos für Lottes Bewerbung machen. Neuerdings fotografiere ich zusätzlich zu der Spiegelreflex auch noch analog, das heisst ich gehe wieder voll auf im Fotos machen. Später sind wir zurück zur WG, in der unter anderem eine Tischtennisplatte steht, die wohl nie jemand nutzt. Das haben wir natürlich geändert und erstmal zwei Stunden Tischtennis gespielt. Man sieht schon, der Fokus unseres Aufenthalts lag weniger darauf, alles von Chicago zu sehen, sondern mehr eine schöne, etwas entspanntere Zeit mit den anderen Freiwilligen zu haben. Also sind wir abends noch alle zusammen an den Strand gegangen, Lotte und ich waren noch im eiskalten Wasser, Balthasar und ich haben noch ein bisschen gebolzt, es gab ein Picknick sponsered by Lottas Eltern – Das war alles sehr gemütlich und harmonisch. Hat wirklich Spaß gemacht.
Montagmorgen haben Lara und ich uns dann zwei Fahrräder geschnappt und sind am Lake entlang gefahren bis nach Downtown. Die Anderen mussten ja ohnehin arbeiten und ein bisschen was von der Stadt wollten wir ja auch sehen. Ungefähr eine Stunde sind wir an der Promenade entlang gefahren und haben uns immer wieder gewundert, wie schön doch alles ist. Alles sauber, gut ausgebaut, schön angelegt und immer das türkis schimmernde Wasser neben Einem. Nur ein wenig windig, aber dafür ist Chicago ja bekannt. Es ist nicht die erste Stadt, die mir einfällt, wenn ich an Urlaubsorte denke, aber auf jeden Fall eine Stadt, die mir schnell einfällt, wenn ich daran denke, wo ich wohl leben wollen würde. In der Innenstadt angekommen sind wir direkt zum Cloud Gate, einer großen Skulptur im Millennium Park in Form einer Bohne. Sehr bekannt. Aber auch sehr voll. In New York hätte man vermutlich anstehen müssen, um überhaupt auf den Platz zu kommen, aber selbst in Chicago war es richtig voll um die Skulptur herum.

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Ursprünglich wollten wir anschließend noch ein bisschen was sehen, aber es war mittlerweile schon wieder ganz schön spät, also sind wir noch was essen gegangen und wenig später mit dem Fahrrad wieder zur WG gefahren, wo das Tischtennisturnier weiterging.
Dafür sind wir Dienstag um so eher aufgestanden, da wir noch auf den Willis Tower wollten. Das Skydeck auf dem Willis Tower ist prinzipiell einfach nur eine Aussichtsplattform wie Rockefeller oder WTC auch, aber mit einem feinen Unterschied. Im Willis Tower gibt es Glaskästen, die in Höhe von 412 Metern aus dem Gebäude raus gefahren werden können. Man steht also nur auf Glas und kann unter sich 400 Meter bzw. 1300 Fuss in die Tiefe gucken. Gerade für Menschen mit Höhenangst, inklusive mich, eine große Überwindung. Wir mussten ein wenig warten, bis wir unsere Fotos in dem Glaskasten machen konnten und währenddessen bin ich doch Zielich nervös geworden, aber letztendlich war es nicht so schlimm, wie ich mir vorgestellt hätte. Schon eine aussergewöhnliche Erfahrung und absolut sein Geld wert.

 

Dienstagnachmittag, bevor wir zum Flughafen mussten, sind wir noch zum Holocaust Memorial Museum gefahren, wo Lotte und Balthasar arbeiten. Auch das war sehr interessant, auch wenn die Zeit etwas gedrängelt hat. Das Museum in Washington ist zwar größer, dafür gibt es in Chicago eine sehr aktuelle Foto-Ausstellung über Flüchtlingskinder. Das war sehr ergreifend. Zudem gibt es neuerdings eine holographische Vorstellung, wo verschiedene Holocaust-Überlebende ihre Geschichte erzählen und man ihnen sogar Fragen stellen kann, ohne das die Menschen selber anwesend sind. Gerade in Bezug darauf, dass die Augenzeugen und Überlebenden allmählich immer weniger werden, sind dieses Hologramme eine riesige Bereicherung, um ihre Geschichten weiter am Leben zu erhalten. So wird man auch in hundert Jahren noch aus ihren Erlebnissen lernen können und ihre Schicksale werden nie vergessen werden können!

Chicago war ein toller Trip und ich bin echt froh, dass wir es doch noch hinbekommen haben, dort vorbei zu schauen. Wir hatten nochmal vier schöne, etwas ruhigere Tage und konnten ein bisschen Zeit mit den anderen Freiwilligen verbringen, bevor wir uns in ein paar Wochen schon wieder in Philly sehen – zum Abschlussseminar. Chicago ist eine super schöne Stadt und immer einen Besuch wert, wenn man gerade in der Nähe ist!

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(v.l.) Lotte, Lara, Balthasar und Ich in Chicago!

2. Offizieller Projektbericht

Im folgenden ungekürzt und unbearbeitet (nur ohne Bilder) mein offizieller erster Projektbericht, wie er auch bei ASF und meinen Paten auf dem Schreibtisch liegt.

14.07.2018

2. Projektbericht von:            

Jan-Niklas Kemper
Strasse und Hausnummer
49082 Osnabrück 

DOROT 

DOROT HPP
Strasse und Hausnummer
New York, NY, USA 10024

Natürlich ist viel passiert, seit meinem ersten Projektbericht. Viel mehr, als ich in diesem Text beschreiben könnte. Zu Beginn des Dienstes und auch noch um die Verfassung des ersten Berichtes herum war man noch neu in vielen Dingen, hat einiges zum ersten Mal gemacht, war mit einigen Situationen und Gegebenheiten noch nicht vertraut und nun steht man einigen Dingen schon wehmütig gegenüber, weil man sie wohl zeitnah vermissen wird. Man ist nun Teil des Projektes, Teil der Stadt und irgendwo auch Teil des Landes geworden. Um so schwieriger wird der baldige Abschied wohl fallen. In nichtmal acht Wochen endet unser Friedensdienst, wir haben ausgedient. Stolz werde ich zu Hause erzählen, was ich erlebt habe, was mir begegnet ist und das es mich mein Leben lang prägen wird. 

Highlight

Es gab nicht dieses eine Highlight. Das Highlight ist die ein-jährige Erfahrung. Ein Highlight in meinem Leben. Dieses Jahr wird immer herausstechen. Ich kann nicht sagen, was in diesem Jahr selber heraus gestochen ist. Vielleicht mit meinem Klienten die Fussballweltmeisterschaft gucken. Vielleicht aber viel eher, dass dieser 96-Jährige Holocaustüberlebende aus Freiburg mittlerweile nicht mehr nur ein Klient ist, sondern ein Freund, zu dem ich eine ähnlich enge Bindung habe, wie zu meinen eigenen Großeltern. Das ist das wahre Geschenk und das echte Highlight, hinter dem Fussball gucken. Sich einen Tag und eine Situation raus zu suchen und als das eine Highlight zu beschreiben, würde jedem anderen Tag nicht gerecht werden. Ich erinnere mich an einen Tag im Mai, als ich die Aufgabe hatte, zu kochen. An dem Abend haben wir um 25 Klienten erwartet plus meine Eltern und meinen Host. Anfang der Woche hatten wir Zutaten bestellt – Lachs, Kartoffeln, Brokkoli und Champignons. An jenem Donnerstag rief jedoch der Zulieferer an, der wöchentlich kommt und Lebensmittel bringt, dass er es nicht schaffen würde und erst den darauf folgenden Tag kommen könnte. Damit war ich der Situation ausgeliefert. Die Kühlschränke waren leer, unser Budget fast aufgebraucht und ich erwartete knapp 30 Leute, die mehrfach auf ein gutes Abendessen vorbereitet wurden. In meiner Verzweiflung ging ich also mit meiner Mitarbeiterin in einen nahe gelegenen Supermarkt und wir versuchten, das letzte bisschen aus unserem Budget auszuschöpfen. Mit Erfolg. Anschließend hatten wir genug Zutaten. Später am Abend haben mir sehr viele Menschen zu meinem leckeren Essen gratuliert und mir von Herzen gedankt. Dafür stand ich sechs Stunden in der Küche und habe dein ganzen Tag nichts anderes gemacht. Am Morgen hatte es noch nach einem Desaster ausgesehen, auf das ich keinen Einfluss gehabt hätte, doch irgendwie haben wir das Ruder rum reissen können und mit viel Engagement und Leidenschaft konnten wir den Abend nicht nur retten, sondern die Erwartung meiner Klienten und Vorgesetzten übertreffen. Da bin ich sehr stolz drauf. Das ist die erste Geschichte, die mir zum Thema Highlight einfällt. Viele weitere kommen mir in den Kopf, sobald ich anfange, intensiver darüber nachzudenken. Ich war an so vielen Orten zwischen Miami und San Francisco als auch zwischen Las Vegas und Boston, ich habe viele tolle Leute kennenlernen dürfen und erst vor zwei Tagen saß ich in einer kleinen Gruppe und haben mit drei Überlebenden über ihre Erfahrungen im Konzentrationslager gesprochen. Das erste Highlight war schon im März, als ich die Zusage für dieses Jahr bekommen habe, wir waren in Auschwitz, haben in Hirschluch eine unvergessliche Zeit gehabt, waren in Miami, hatten die Seminare in Philadelphia und Washington, waren in den Nationalparks und an so vielen anderen Orten, haben so viel gelernt über Zwischenmenschliches, Geschichte, Politik. Es gibt glaube ich keinen Bereich, in dem ich nicht schlauer bin, als vor einem Jahr. Es sind die Erfahrungen, die dieses Jahr ausmachen und diesen Dienst zum Highlight machen.

Erwartungen

Ich hatte wohl nie viele Erwartungen, weil ich nie wirklich wusste, worauf ich mich eingelassen hatte. Für mich war nur klar, dass ich nach New York gehe, in ein Projekt, von dem ich keine Vorstellung hatte. Obwohl es für mich schwer war, alles Vertraute hinter mir zu lassen, dachte ich, es werde wohl das beste Jahr meines Lebens. Die wohl aufregendste Zeit, die ich je haben werde. Diese Einstellung hat sich auf jeden Fall geändert. Es war nicht das beste Jahr meines Lebens, dafür hatte es viel zu viele Tiefen, aber genau diese Tiefen haben es zu einem anderen Superlativ gemacht: Das lehrreichste Jahr meines Lebens. Ich habe bis heute nicht viele Freunde in New York gefunden und mittlerweile habe ich mich damit abgefunden, dass ich nicht jedes Wochenende auf irgendwelchen Collegepartys rumtanze. Dafür denke ich darüber nach, mich vegan zu ernähren und unterstütze Projekte, die Plastikmüll aus den Meeren fischen. Wahrscheinlich beides Themengebiete, die mich vorher niemals interessiert hätten. Es war nie das Leben, das man aus denen Filmen kennt: Mit den coolen Kids rumhängen und feiern gehen, Lagerfeuer am Strand und jedes Wochenende zum Barbecue im Garten eingeladen werden. Nichts davon. Dazu ist man als Freiwilliger in New York zu isoliert und kommt nicht genug mit Menschen in seinem Alter in Kontakt. Aber alle Berührungsängste sind verschwunden, ich spreche auf einmal fließend und ohne Einschränkungen englisch und ich weiss heute viel eher wer ich bin und wer ich sein will. All das sind Prozesse, über die ich vorher nie wirklich nachgedacht habe und heute auch nicht mehr nachdenken brauche, weil es sich so sehr in meinen Alltag etabliert hat. 

Was mich am Anfang sehr umgehauen hat, war das Level der Wegwerfgesellschaft. In meinem Projekt benutzen wir ausschließlich Plastik-Besteck und Pappteller, was mich am Anfang sehr gechallenged hat. Irgendwann hatte man sich dran gewöhnt, doch mittlerweile versuche ich wieder mehr und mehr das Wegwerfen von Einmal-Besteck so gering zu halten, wie möglich. Das ist etwas, das ich versuche nachhaltig hier zu ändern, aber dafür ist die Mentalität hier einfach zu gegenläufig. Vielleicht kann mein Nachfolger da ja weiter dran arbeiten. 

Ich für meinen Teil würde alles wieder genauso machen. Ich bereue nicht eine Entscheidung von der Bewerbung bis heute. Natürlich hätte ich gerne mehr social life gehabt, aber da hätte ich mich früher drum engagieren müssen und da war mir zu der Zeit einfach nicht nach, das habe ich vielleicht ein wenig verpasst. Aber ich würde mich wieder für Amerika bewerben, würde wieder mit zerrissenen Hosen zum Auswahlseminar kommen und mich so wenig verstellen wie möglich. Ich würde einfach ich sein, weil ich das am Besten kann und mich das bisher am weitesten gebracht hat. Bis nach New York, wo ich auch immer wieder hingehen würde.

Dimensionen des Freiwilligendienstes

Nicht nur bin ich generell kritischer geworden, ich bin vor allem gegenüber Deutschland sehr viel kritischer geworden. Gerade hier in Amerika spricht man von Deutschland immer nur in den höchsten Tönen, beneidet uns um unsere Kanzlerin und ist Deutschland gegenüber unfassbar positiv eingestellt. So positiv, dass ich schon des Öfteren mal die Euphorie des einen oder anderen Klienten oder Mitarbeiter einfangen musste.
Ich glaube gerade aktuell ist Deutschland sehr weit weg von perfekt. Ich glaube wir haben ein großes Problem im öffentlichen Umgang mit Migration und auch heute werden Juden und andere Minderheiten in Deutschland offensichtlich diskriminiert und benachteiligt. Was ich hier vor allem aus Deutschland mitkriege, ist der Hass auf andere Menschen. Das ist ein Fakt, mit dem ich mich sehr schwer tue und der mich auch vor meiner Rückreise zunehmend besorgt. Ich bin hier, um zu zeigen, dass wir in Deutschland etwas falsch gemacht haben und das wir dafür sorgen, das es nie wieder dazu kommt. Weil wir die Verantwortung dafür tragen, dass es nie wieder soweit kommen, doch gleichzeitig wollen in Deutschland Menschen das Abschieben von Bedürftigen oder wollen die Flüchtlinge lieber gleich im Mittelmeer ertrinken lassen. Gerade von hier lässt sich einfach nicht nachvollziehen, wie es Menschen so an Zivilcourage mangelt, während ich hier jeden Tag mit Menschen arbeite, die entweder auch bedürftig sind oder es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, Bedürftigen zu helfen. Dagegen finde ich das nationalistische  Denken doch sehr abstossend.
Zudem ist mir hier auch erst bewusst geworden, wie gravierend die Nazi-Verbrechen wirklich waren. Was Nationalsozialismus in Deutschland wirklich für Auswirkungen hatte. Ich habe hier mit Menschen gesprochen, die all das überlebt haben und beschreiben konnte, wie hasserfüllt sie verfolgt wurden und bis heute nicht verstanden haben, warum ihnen das angetan wurde. Ich verstehe es auch nicht. Wir waren im Holocaust-Memorial Museum in Washington, wo wir uns abermals intensiv mit der Geschichte auseinander gesetzt haben. Je öfter ich diese Bilder sehe, sei es in Auschwitz oder eben in Museen und Ausstellungen, desto wütender werde ich, dass all diese Verbrechen von Deutschen ausgegangen sind. Es gibt kein vergleichbares Verbrechen dazu, kein einziges, und es haben wir Deutsche begangen. Nicht wir, aber wir Deutsche. Besonders mitgenommen hat mich das Holocaust-Memorial in Miami, das einfach nicht hätte eindrucksvoller sein können. Über eine Stunde haben wir uns damals dort aufgehalten und es auf uns wirken lassen, bis uns endgültig schlecht war. Wir haben nichts gesagt und einfach nur gehofft, dass sich die Bauchschmerzen bald wieder legen. All das nimmt mich sehr mit und zeitgleich habe ich das Gefühl, dass es einen Großteil in Deutschland überhaupt nicht interessiert, was mich wiederum noch wütender macht. Die Leute haben einfach „keine Lust mehr auf das Thema“. Ich glaube nicht, das jemand die Wahl hat, sich „dem Thema“ zu entziehen, vor allem nachdem wir 12 Millionen Todesopfern im zweiten Weltkrieg auch nie die Wahl gelassen haben. 

Aktion Sühnezeichen Friedensdienste 

Obwohl ich natürlich überwiegend bei DOROT gearbeitet habe, stand ASF selber im darüber. Bevor ich den Leuten erzählt habe, wo ich arbeite, habe ich erzählt, mit wem ich hier bin. ASF hat mich über das ganze Jahr gelenkt und immer wieder auch Denkanstösse gegeben. Von den 12 Monaten Dienst waren wir gut einen Monat auf Seminaren und haben uns weiter gebildet. Der Schwerpunkt dabei lag eigentlich immer darauf, uns zum Nachdenken anzuregen, uns mit sensiblen Themen zu konfrontieren und zu gucken, was wir daraus lernen. Ich erinnere mich daran, wie wir in Hirschluch intensiv über den Alltag von Obdachlosen gesprochen haben, in Philadelphia einen Beitrag über die Struktur von Rassismus und in Washington einen Vortrag über Religion in Amerika gehört haben. All diese Diskussionen waren immer auf Toleranz und Zivilcourage ausgerichtet. Man hat diese Werte sehr stark vertreten und versucht, uns dahingehend zu erziehen. Ein weiteres großes Thema war natürlich die Zeit des Nationalsozialismus und die Folgen, aus denen ASF sich gegründet hat. Seit Tag 1 des Auswahlseminars haben wir über die Schuldfrage gesprochen und unsere Verantwortung, das so etwas nie wieder passieren darf. Das wurde immer wieder thematisiert und in Gesprächen mit Überlebenden oder Besuchen von Gedenkstätten deutlich gemacht. Ich denke, dass das die wichtigste Rolle von ASF und mittlerweile auch von uns Freiwilligen ist. Die Menschen sensibilisieren, auf die Geschichte aufmerksam zu machen und sie auf ihre Verantwortung aufmerksam zu machen. Ich merke selber, wie ich in meinem Leben immer öfter über Antisemitismus stolpere und die Leute darauf anspreche, den Mund aufmache und nicht alles so stehen zu lassen und ich bin mir sicher, dass das auch nach dem Dienst der Fall bleiben wird.

Ausblick

Was passiert als nächstes? Jetzt war ich ein Jahr in New York und komme bald wieder in meine kleine Stadt nach Osnabrück. Vieles wird sich ändern, aber nicht alles. Nach wie vor ziehe ich in Erwägung in irgendeiner Form Politik zu studieren und dann damit etwas anzufangen. Ob es dann ich Richtung Journalismus geht oder doch direkter ins Geschehen kann ich noch nicht sagen, aber gerade nach diesem Jahr fühle ich mich verantwortlich, etwas zu sagen. Ich glaube das funktioniert am Besten in der Politik und da sollte aktuell eine Menge mal gesagt werden. Ich nehme all die Erfahrungen aus New York von diesem Freiwilligendienst mit und komme wohl mit einem verbesserten Wertesystem wieder. Ich freue mich total, all die Dinge die ich gelernt habe, zu Hause anwenden zu können und viel reifer und erwachsener wiederzukommen, als ich gegangen bin. Auf der anderen Seite glaube ich auch eine Menge über Menschen gelernt zu haben und könnte mir vorstellen Psychologie zu studieren. In ein paar Tagen werde ich erfahren wohin es geht, wenn die Zusagen für das Studium endlich kommen. Aber unabhängig davon, wo ich letztendlich lande, dieses Jahr wird für jeden Bereich eine Bereicherung gewesen sein. 

Danksagung

Was habe ich nicht alles erlebt in den letzten 18 Monaten. Ich wusste nie wohin mit mir nach der Schule, wollte eigentlich nur mal raus kommen. Jetzt sitze ich seit fast einem Jahr in New York und bin ein ganz anderer Mensch. Ich weiss bis heute nicht, warum man ausgerechnet mir die Chance dazu gegeben hat und werde es auch wohl nie erfahren, aber ich bin unfassbar dankbar dafür. Ich bin dankbar, dass ASF Mir und Anderen die Chance gibt, dieses Erfahrung zu haben, uns so viel beigebracht hat und mich persönlich so geformt hat, dass ich heute ein anderer Mensch bin, als vor 18 Monaten. Ich bin dankbar für meine Paten, die jeden meiner Berichte gelesen haben und mich finanziell und mental bei jedem Schritt unterstützt haben, ohne die all das nicht umsetzbar gewesen wäre. Auch danken möchte ich natürlich den Partnern, die ASF dabei so leidenschaftlich unterstützen und dazu beitragen, dass Aktion Sühnezeichen so eine tolle, gehaltvolle Organisation ist. Mein Jahr wird hier bald enden, den Auftrag werde ich jedoch immer in mir tragen und darüber bin ich sehr glücklich! Danke für eure Unterstützung und dass ihr mich auf meinem Weg begleitet habt!
It´s all part of the experience!

  

4th of July / G-Eazy Konzert / Panel Discussion / Central Park Zoo

Ich versuche Content mäßig für die letzten Wochen meines Jahres nochmal den Anschluss zu halten und ein bisschen mehr zu erzählen. Lange ist es schließlich nicht mehr und wer weiss, wie viel ich in naher Zukunft noch zu erzählen habe.

Letzten Mittwoch war 4. Juli, also Independence Day. Einer der größten Tage im Jahr, für Amerika. Abends gibt es Feuerwerk, den ganzen Tag gehen die Leute crazy und tragen ihre Farben ganz stolz durch die Strassen. Wir hatten natürlich auch frei, also bin ich mit Lara und ihrer Freundin nach Coney Island gefahren. Dort ist jedes Jahr am 4. Juli das berühmte Hotdog Wettessen von Nathan’s. Wir dachten, das könne man sich ja bestimmt mal geben und danach machen wir einen gemütlichen Tag am Strand. Wir kamen also um Punkt 12 Uhr aus der Subway und kamen schon nicht weiter. Die ganze Strasse war dicht, überall Menschen, die aufs Hotdog-Essen warteten. Irgendwie absurd, aber wir waren ja Teil davon. Nachdem wir also eine halbe Stunde im dichten Gedränge in der prallen Sonne standen und einige von uns sich den Sonnenbrand ihres Lebens geholt haben, ging das Essen los. Schrecklich. Ich weiss nicht, was ich erwartet hatte. Es war einfach das Ekelhafteste, was ich je gesehen habe. Nach nichtmal zwei Minuten habe ich mich verabschiedet und bin schonmal vor gegangen. Das konnte und wollte ich mir nicht volle zehn Minuten lang angucken. Wer sich das jedoch gerne mal ansehen möchte: Googelt mal Joey Chestnut. Ich war froh, als es vorbei war und wir zum Strand konnten.

Gegen Abend sind wir dann noch zu Anna gefahren. Anna wohnt an der Eastside und ihr Gebäude hat eine sehr schöne Dachterrasse, auf der fast nie jemand ist. Also saßen wir da mit sechs Leuten, haben noch gemütlich was getrunken und hatten eine gute Zeit. Um kurz nach neun war das berühmte Macy’s Feuerwerk, das wir von unserem Spot aber nur erahnen konnten. Trotzdem war es ein sehr schöner Abend und wir haben über viel gequatscht. Insgesamt hat mir der 4th of July sehr gut gefallen. Es verbindet halt alle Menschen und hat so seinen eigenen Flair. Alle tragen Tank-Tops oder T-Shirts mit der Flagge oder den Farben, sodass man wieder ein Gefühl von Gemeinschaft hat. Mir hat’s gut gefallen.

Freitags darauf waren wir bei einem Konzert. Um 6 Uhr morgens. Wer gibt um 6 Uhr morgens Konzerte? ABC zeichnet jeden Freitag morgen für ihre „Good Morning America“-Sendung auf der Summer Stage im Central Park ein Live Konzert auf. Der Eintritt ist umsonst, der Andrang um die Uhrzeit auch eher gering, also kann man sich das ganz gut geben. Muss nicht jeden Freitag morgen sein, aber für G-Eazy konnte man das ja mal ausprobieren. Letztendlich war es doch mehr eine Fernsehaufzeichnung als ein Live Konzert, der Künstler selber war super müde und die Stimmung im Nieselregen auch ausbaufähig, aber früh morgens aufstehen und mit Kaffee in der Hand gute Livemusik hören ist auf jeden Fall ein guter Start in den Tag. Demnächst kommen die Chainsmokers, da werde ich mit Anna wohl auch auf jeden Fall wieder hingehen.

Vergangenen Donnerstag war Lewin aus Washington da. Im Main Office von DOROT war eine jährliche Veranstaltung, wo drei Holocaust-Überlebende ihre Geschichte erzählt und ihre Erfahrungen während des zweiten Weltkrieges  für eine Gruppe von Mitgliedern der Konrad Adenauer Stiftung und der American Jewish Community wiedergegeben haben. Ich war repräsentativ dort, um auf die Arbeit von ARSP hinzuweisen und auch einfach, weil es mich interessiert hat. Lewin war mit seiner Arbeit vom AJC da. Es war eine sehr schöne, wenn auch emotionale Veranstaltung. Die drei Redner hatten unglaubliche Geschichten zu erzählen, die mir abermals deutlich gemacht haben, das es unsere Verantwortung ist, dass so etwas in Deutschland nie wieder passiert. Auch wenn vielen Deutschen das egal ist, ist ja jetzt auch schon lange her und wir haben ja eh von nichts gewusst. Dieses Mal wissen wir davon! Wenn wir Menschen im Mittelmeer ertrinken lassen oder gegen anderen Religionen hetzen, was wir in Deutschland ja seit der letzten Bundestagswahl besonders gerne machen, dann wissen wir davon und es ist unsere Aufgabe, sich dagegen zu wehren. Das haben auch diese Veranstaltung und die Schicksale der Überlebenden wieder einmal gezeigt. Früher saß ich in der Schule und ab und an hat eine Überlebende für 160 Desinteressierte Schüler ihre Geschichte erzählt. Das hat nie funktioniert, das war das völlig falsche Format und da konnte ich nie etwas von mitnehmen. Donnerstag saß ich mit Lewin und 15 Anderen in einer Runde und die drei Menschen haben uns ihre Erlebnisse geschildert, die mich zu Tränen gerührt haben.  Das war ein sehr besonderes Erlebnis, wofür ich sehr dankbar bin.

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Mit Paula Weissman und Lewin!

Nachdem ich mit Lewin in einer Sportsbar um die Ecke Sonntagmorgen das WM-Finale gesehen und ihn anschließend verabschiedet hatte, war ich noch im Central Park Zoo. Einer von mehreren Zoos in New York und mit Abstand der Kleinste, aber dafür direkt im Central Park. Dank meiner NYC ID kam ich auch dort umsonst rein und bin einfach mal ein, zwei Stunden durch gebummelt. Es war okay. Es war nichts super spektakuläres dabei und ich glaube gerade in Osnabrück ist die Messlatte was Zoos angeht wahrscheinlich auch sehr hoch gelegt. Immerhin habe ich einen Schneeleoparden finden können. Danach hatte ich dafür noch eine sehr spezielle Begegnung mit einem Grizzlybär, der direkt an der Scheibe im Wasser schwamm und seinen Kopf an das Glas drückte. Wir hatten ja schon im Yosemite zwei Bären in freier Wildbahn gesehen, aber dieser Grizzlybär war dann doch noch um einiges größer und vor allem viel näher. Zoo halt. Habe hinterher gesagt, ich wäre im Central Park einem Grizzlybär begegnet, wollte mir aber keiner glauben. Hätte das mit dem Zoo vielleicht dazu sagen sollen.

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Grizzlybär im Central Park Zoo!

Ich nehme an, dass auch die nächsten Wochen regelmäßig Input kommt, schließlich habe ich nicht mehr allzu viel Zeit, um meine Erlebnisse aus New York zu berichten.
See u then!